Eine nationale Petition zur Beendigung der Prekarität an Schweizer Hochschulen

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PETITION AN DIE BUNDESVERSAMMLUNG

Für mehr Festanstellungen im akademischen Bereich: Bessere Forschungs-, Lehr- und Arbeitsbedingungen

Wir fordern die Bundesversammlung auf, konkrete Massnahmen zu ergreifen, um die Gesundheit und das Privatleben des wissenschaftlichen Personals zu schützen, seine Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Qualität der akademischen Lehre und Forschung zu garantieren. Dazu erscheint uns die folgende Massnahme unbedingt notwendig: die vermehrte Schaffung von festen Stellen für Forschende und Lehrende nach dem Doktorat.

Wissenschaftliche Stellen müssen so diversifiziert werden, dass zwischen befristeten Assistenzen und unbefristeten Professuren neu oder vermehrt feste Positionen geschaffen werden. Um diese Stellen langfristig zu sichern und zu finanzieren, braucht es eine “Umwandlung von bislang befristeten Stellenkategorien in unbefristete Stellen sowie (…) eine Reduktion der projektförmig vergebenen Forschungsmittel zugunsten einer höheren Grundfinanzierung der Hochschulen” [1], wie es die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) in ihrem Bericht Next Generation vorschlägt. Die Bundesversammlung muss den Hochschulen, ihren Gremien und Aufsichtsorganen, sowie dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) ein klares Signal geben, die Stellenvergabe und Nachwuchsförderung zu reformieren. Ziel ist es, eine bedeutende Zahl fester Stellen zu schaffen, die für Forschende und Lehrende so bald wie möglich nach dem Doktorat zugänglich sind.

[1] Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (2018), Next Generation: Für eine wirksame Nachwuchsförderung, Swiss Academies Reports, 13 (1), p. 46.

Warum unterschreiben?

In der Schweiz sind 80% des hochqualifizierten akademischen Personals mit prekären Verträgen beschäftigt. Wir glauben, dass eine wohlhabende, bildungsorientierte Gesellschaft wie die Schweiz es besser machen kann!

Der wissenschaftliche Nachwuchs in der Schweiz ist mit zunehmend prekären und bedrückenden Arbeitsbedingungen konfrontiert, die sich nachteilig auf die Gesundheit der Forschenden und auf die Qualität der Forschung auswirken. Im schweizerischen Wissenschaftssystem haben nur Professorinnen und Professoren feste Stellen (mit einigen Ausnahmen), während 80% der wissenschaftlich Mitarbeitenden in prekären Verhältnissen angestellt sind [1]. Dies ist der Fall über 40,000 Personen, die in der Schweiz den Mittelbau bilden, eine Kategorie, welche Doktorierende, PostDocs, Dozierende und wissenschaftlich Mitarbeitende umfasst [2]. Die Exzellenz der Schweizer Forschung beruht hauptsächlich auf hoch qualifizierten Mitarbeitenden, die jedoch einer zunehmenden Prekarisierung unterworfen sind. Ohne die Arbeit dieses Mittelbaus fände in der Schweiz keine Forschung statt.

Die Angehörigen des Mittelbaus werden in der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Ihre Arbeitsbedingungen sind geprägt durch aneinandergereihte befristete Verträge (bestenfalls wenige Jahre, häufig nur einige Monate, üblicherweise nur in Teilzeit und oft abhängig von zeitlich begrenzten Forschungsprojekten), ausserdem durch geringes Einkommen, geringe Autonomie bei der Organisation ihrer wissenschaftlichen Aktivitäten, persönliche Abhängigkeit von Professorinnen und Professoren. Dabei besteht für sie wenig Aussicht, überhaupt jemals eine Festanstellung im akademischen Bereich zu erhalten.

Die Ausgangslage geprägt von struktureller Prekarität und Konkurrenz verschärft den Produktivitätsdruck und führt zu einem Wettbewerb um die längste Publikationsliste, während gleichzeitig ständig nach Finanzierungsquellen und/oder einer neuen Anstellung gesucht werden muss – oft schon während der Doktoratssphase. Dies fördert Missbräuche wie unbezahlte Überstunden, Geschlechterdiskriminierung – die sich bis in die Spitze der akademischen Pyramide auswirkt [3]. Belästigung, Mobbing, Günstlingswirtschaft, Aneignung und Fälschen von Forschungsergebnissen oder Publikationen und andere Fehlverhaltensformen. Diese Situationen führen in unseren Forschungseinrichtungen vermehrt zu Burnouts und zu einer effektiven Verschwendung von menschlichen und wissenschaftlichen Ressourcen: Forschungsprojekte werden unterbrochen, akademische Karrieren enden vorzeitig, unsichere Anstellungen und überlange Arbeitstage führen zu Schwierigkeiten im Privat- und Familienleben und zu einem vorübergehenden oder dauernden Verzicht auf Elternschaft, usw. Auch führt die Anforderung, international mobil zu sein, oft zum Verzicht auf das Gründen einer Familie und zwingt besonders Frauen, die Wissenschaft zu verlassen. Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wird dadurch verstärkt.

Das Problem ist offenkundig und hat seit der Bologna-Reform Anfang der 2000er-Jahre, das einen Europäischen Hochschulraum (EHEA) geschaffen und die Universitäten in ein Konkurrenzverhältnis gebracht hat, enorme Ausmasse angenommen. Ein Bericht des Bundesrates stellte bereits 2014 fest, “dass es an den Schweizer Universitäten relativ wenig differenzierte, eigenständige Stellen gibt, die es jungen Forschenden früh in ihrer Laufbahn ermöglichen, selbständig Forschung zu betreiben und ihre Karriere längerfristig zu planen” [4]. Auch die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) forderte in ihrem Bericht Next Generation von 2018, “die unbefristeten Stellen für höher qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler [zu] vermehren” [5]. Überdies weisen die Mittelbauverbände seit mehreren Jahren auf die alarmierenden Zustände hin. Trotz des dringenden Handlungsbedarfs haben diese Aufrufe noch immer nicht zu einer grundlegenden Reform geführt. Derweil legt die Coronakrise die Unsicherheit dieser Stellen und den mangelnden Schutz der Forschenden in der Schweiz schonungslos offen. Daher ist es unbedingt notwendig, dass die Bundesversammlung auf diese unhaltbare Situation reagiert und die notwendigen forschungspolitischen Massnahmen einleitet.

[1] Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (2018), Next Generation: Für eine wirksame Nachwuchsförderung, Swiss Academies Reports, 13 (1), S. 15.

[2] Auf der Grundlage von Bundesamt für Statistik (2019). Personal der Hochschulen 2018 (Tabelle 5c). Unsere Zahl umfasst Assistierende und wissenschaftliche Mitarbeitende, übrige Dozierende sowie das mittlere Personal der Fachhochschulen und der Lehrerinnen- und Lehrerbildung.

[3] Noch heute sind nur 23,4% der ordentlichen Professoren an den Schweizer Universitäten Frauen (BFS, 2019).

[4] Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (2014), Massnahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Schweiz, Bericht des Bundesrats in Erfüllung des Postulats WBK-SR (12.3343), S. 7.

[5] Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (2018), op. cit., S. 49.

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